weiter gehts


Es gibt nicht wirklich irgendetwas spannendes zu berichten. Es geht einfach weiter. Immer Tag für Tag.
Inzwischen war mal wieder Termin beim Onkologen. Diesmal war auch wieder die übliche Blutentnahme an der Reihe. Inzwischen erkundige ich mich nicht mehr nach den Werten. Während der ganzen letzten Jahre waren meine Blutwerte immer so gut, dass Gesunde neidisch werden könnten. Ganz egal, wie es mir eigentlich in Wirklichkeit geht, die Blutwerte sind immer super. Klar, während einer akuten Erkrankung gibt es mal erhöhte Entzündungswerde, aber das ist ja klar. Dass ich nach sieben Jahren Dauer-Chemotherapie, noch immer absolut normale Leberwerte habe, ist allerdings schon fast erstaunlich. So wird auch die heutige Blutentnahme nichts neues an Erkenntnissen bringen. Ich lasse das nur machen, weil das eben zum onkologischen Behandlungs- und Kontroll-Programm gehört.
Es gab auch mal wieder ein nicht so behandlungs bezogenes Gespräch. Ich wurde gefragt, ob ich mich darüber freue, dass ich, entgegen aller Erwartungen, noch immer lebe.
Ich lebe ganz gerne, unternehme einiges, aber wirklich von Freude, kann ich da nicht sprechen. Mit diesen Zeitbomben im Körper, ist das einfach anders. Es gibt Dinge im Alltag, über die ich mich freue, oder auf die ich mich freue, aber mein Über-Leben, gehört nicht so wirklich dazu. Es ist ein Überleben unter bestimmten Bedingungen. Bedingungen, auf die ich wenig Einfluss habe. Auch die Tatsache, dass ich noch immer am Leben bin, hat mit einer getroffenen Entscheidung, nicht viel zu tun. Das ist einfach passiert. Passiert noch immer.
Ich schlucke ständig jede Menge Medikamente, habe Nebenwirkungen, habe Symptome, muss mich nun auch doch noch mit den Dingen des Alt-werdens beschäftigen, der Krebs ist ständig und immer dabei. Da dann über Freude zu sprechen, schaffe ich nicht. Das hat nichts damit zu tun, ob ich gerne lebe und am und mit meinem Leben Spass und Freude habe.
Um Missverständnisse auf jeden Fall zu verhindern. Nochmal, ich lebe gerne, ich bin nicht suizidgefährdet oder lebensmüde. Aber um von Freude über mein Überleben zu sprechen, reicht es eben nicht.
Der Onkologe meinte, er könnte das, so weit das eben ein gesunder Mensch verstehen kann, verstehen. Therapeutisch bleibt alles wie es ist und es heißt weiter leben und abwarten was die Zeitbomben tun.
Ich habe in diesem Gespräch auch mal angedeutet, vielleicht die nächste normal anstehende CT-Kontrolle ausfallen lassen zu wollen . . . wirklich begeistert war er nicht. Aber am Ende bin ich diejenige die einen entsprechenden Termin ausmacht – oder eben nicht.
Normalerweise wird in dieser Praxis, am Ende des einen Termins, gleich der nächste vereinbart. Ich mache das grundsätzlich nicht. Ich melde mich dort dann, wenn ich Zeit, Lust und eben einen Grund habe.
Wie im Titel schon geschrieben . . . weiter geht’s.

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6 Gedanken zu “weiter gehts

  1. Hallo Sue,

    ich hatte Dich vor einiger Zeit gefragt ob Dich das neue Krebsmedikament und eine Lungenklinik interessieren würde .
    Weil ich in letzter Zeit aber wegen gesundheitlicher Baustellen und viel sonstigem Stress nicht im Internet
    aktiv war, hatte ich Deine Antwort nicht mehr mitbekommen. Umso mehr freut es mich zu lesen, dass das
    wohl gar nicht mehr nötig ist.
    Darf ich fragen wie Du Deine Lungenbeschwerden wegbekommen hast und warum Du kein CT mehr machen
    möchtest ?
    LG

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    • Hallo M-L;
      die Lungenbeschwerden kommen von einer COPD und dagegen gibt es das Inhalierspray, welches mir super gut hilft.
      Und das nächste Routine-CT würde ich gerne ausfallen lassen, weil mir einfach völlig egal ist, ob jetzt irgendetwas ein paar Millimeter größer oder kleiner geworden ist. Entscheidend ist für mich nur, welche Symptome ich habe oder nicht. In der Leber war im letzten CT überhaupt nichts mehr zu sehen, die Lunge wächst munter weiter, was aber keine Konsequenzen hat und die Knochemetastasen sind ganz unterschiedlich. Was habe ich von Millimeterangaben . . . außer einem Tag verschwendet 😉
      LG
      Sue

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  2. Das kann ich gut verstehen, so ein CT Termin ist schon lästig,
    allerdings hatte eine Bekannte von mir, ebenfalls BK Patientin,
    auch eine Vollremission ihrer Lebermetas und nach ca. einem
    halben Jahr, waren sie dann wieder da und sind schneller gewachsen
    als vorher. Ihr Onkologe hat das dann so erklärt, dass durch die Chemo
    nicht alle Krebszellen abgetötet werden, sondern einzelne übrig bleiben,
    also die denen die Chemo nichts anhaben konnte, die dann auch gegen
    die Chemo resistent sind und besonders agressiv sind. Sie hat dann ein
    neues Medikament bekommen. Deshalb finde ich es nicht ganz ungefährlich
    kein CT mehr machen zu lassen oder nur ganz selten, gerade weil Lebermetas
    ja meistens keine Beschwerden machen. Eine andere Frau die ich kenne, die
    ihre Lebermetas operativ vollständig entfernen hat lassen und seit 5 Jahren jetzt
    rezidiffrei ist, selbst bei ihr wird regelmäßig ein CT gemacht, weil ihr Onko ihr gesagt
    hat, dass es sicher ist, dass die Lebermetas irgendwann wieder kommen und man eben
    nur nicht weiß wann .
    Das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden.

    LG

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    • Seit gut sieben Jahren steht fest, dass ich an der einen oder anderen Metastase sterben werde . . früher oder später 🙂 Ob ich das erneute Loslegen nun ein paar Wochen früher oder später mitbekomme ist mir inzwischen wirklich vollkommen egal.
      LG

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  3. Wie es ist so lange mit einem Damoklesschwert leben zu müssen,
    oder wie Du immer schreibst mit einem Schleudersitz, kann
    wahrscheinlich nur jemand nachvollziehen der das auch erlebt hat.
    Deshalb fand ich die Frage von Deinem Onkologen ob Du Dich
    darüber freust bist viel länger als prognostiziert gelebt zu haben schon bischen seltsam,
    denn es ist schon krass so lange in dem Glauben leben zu müssen,
    dass das Leben in absehbarerer Zeit zu Ende geht. Das ist ja auch
    nicht einfach sich trotzdem noch Lebensfreude zu bewahren, wie Dir das
    meisterlich gelungen ist. Das kostet schon Kraft, wie soll da Freude aufkommen ?
    Erleichterung oder Dankbarkeit ja, aber Freude wohl eher nicht.
    Ganz abgesehen davon, noch nicht mal die Gesunden die ich kennen
    freuen sich über ihre Gesundheit, sondern nehmen sie als selbstverständlich,
    warum soll dann Jemand der mit dem Wissen an einer Krankheit sterben zu
    müssen leben muss sich darüber freuen, dass er im Rückblick dann doch viel länger gelebt hat, wo
    derjenige dann trotzdem weitherhin mit dem Wissen leben muss, dass es irgendwann dann aber
    trotzdem zu Ende gehen wird.
    Schon komisch was nicht Betroffene so alles fragen.

    LG

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    • Liebe M-L;
      Dein Eintrag freut mich, weil er mir zeigt, dass Du ziemlich genau verstanden hast, was ich meine. Ich habe die Frage meines Onkologen als einen Versuch gesehen, mich ein wenig besser kennen zu lernen und daher nicht negativ bewertet 😉
      LG
      Sue

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