Radionuklidtherapie

Da ich in jüngster Zeit mehrfach angefragt wurde, hier mal wieder etwas „fachliches“ aus meinem alten Blog:

Auf die physikalischen Details gehe ich hier nicht ein. Das ist im Internet sehr gut vielfach erklärt.

Die Radionunklidtherapie ist eine Schmerztherapie bei Knochenmetastasen. Es ist keine Therapie gegen die Metastasen. Die Radionunklidtherapie läßt Knochemetastasen weder schrumpfen noch verschwinden. Es gibt zur Zeit Versuche bei einer ganz bestimmten Art Knochenmetastasen, mit anderen Stoffen, etwas in diese Richtung zu erreichen, aber bisher ist das einzig und alleine eine Schmerztherapie.

An den Stellen im Knochen wo Metastasen sind, ist der Stoffwechsel höher als an anderen Stellen und das genau wird bei der Radionuklidtherapie genutzt.
Es wird ein radioaktiver Stoff (Samarium) in Verbindung mit einem Bisphosphonat gespritzt. Durch den erhöhten Stoffwechsel in den Metastasen, wird dort davon dann etwas eingelagert. Durch die Strahlung direkt vor Ort, können die Schmerzen meist gebessert werden. Durch die Strahlung können die manchamal vorliegenden Entzüdungen reduziert werden, was Schmerzbesserung bedeutet.
Die Sorte Knochenmetastasen welche Knochenmaterial aufbauen, lagern mehr von dem Radionuklid ein und daher ist da der Erfolg manchmal etwas besser. Manchmal gibt es in den ersten drei Tagen eine Schmerzverschlimmerung, manchmal aber zeigt sich schon wenige Stunden nach der Injektion eine deutliche Schmerzverbesserung. Das Spektrum ist groß.
Es macht Sinn, eine Radionuklidtherapie recht früh anzugehen. Die Wirkung kann bis zu drei Jahre anhalten und man kann die Therapie wiederholen.

Die Therapie selbst läuft so ählich ab wie ein Knochenszintigramm. In den folgenden drei Tagen sollte man möglichst keine Schwangeren umarmen oder Babys rumtragen. Ansonsten besteht für das Umfeld keinerlei Gefahr. Die Strahlung hat eigentlich nur wenige Millimeter Reichweite und diese Abstände sind einfach zur Sicherheit.

Nebenwirkungen:
Da sich in manchen Knochen Knochenmark befindet, kann dies durch die Strahlung mal etwas „lahmen“ . Das heißt, das Blutbild kann sich vorübergehend verschlechtern. Aber nicht massiv und nicht lange. Aber es macht Sinn, es nach der Radionuklidtherapie ein wenig überwachen zu lassen. Manchmal sollte man auch vorher nachsehen lassen, ob es wirklich in Ordnung ist. Meist wird das von den durchführenden Ärzten auch so angefordert.

Durchgeführt wird eine Radionuklidtherapie von Nuklerarmedizinern. Es gibt radiologische Praxen in denen auch Nuklearmediziner arbeiten.
Ich habe den Meinigen per Internet ausgesucht. Auf fast allen Internetseiten der Ärzte die diese Therapie durchführen, wird auch ausführlich erkärt, wie das technisch durchgeführt wird. Meist benötigt es ein paar Tage Vorlaufzeit, weil das radioaktive Nuklid erst beschafft werden muß. Diese radioaktiven Dinge werden ja gut verschlossen gelagert, überwacht und kontrolliert und auch der Transport erfolgt unter vorgeschriebenen Sicherheitsbedingungen.

Ich selbst habe in den ersten Wochen nach der Entdeckung meines massiven Knochenmetastasenbefundes, sofort eine Radionuklidtherapie machen lassen. Bevor ich nur wegen Knochenschmerzen Tabletten schlucke, die ja dann nicht weniger werden, halte ich so eine Radionuklidtherapie für sinnvoll. Man vergibt sich nichts. Es gibt keine dauerhaften Schäden. Ich hatte auch im Blutbild keinerlei Veränderungen und die Durchführung ist ein Klaks (schneller als ein Szintigramm, aber vom Ablauf her ähnlich). Wenn es optimal läuft, hat man danach längere Zeit vor diesen Schmerzen Ruhe.

Leider ist diese Form der speziellen Schmerztherapie nicht wirklich bei den Onkologen angekommen und bekannt. Für mich ist die Frage danach immer die Testfrage für einen neuen Arzt. Wer das nicht kennt, ist mir nicht kompetent genug. Ich finde es eine Schande, dass es Onkologen gibt, denen ich erklären mußte, was eine Radionuklidtherapie eigentlich ist. Und das ist kein Witz, das ist mir zwei Mal passiert. (Beide Ärzte sind inzwischen nicht mehr in dieser Praxis womit ich nichts zu tun hatte, es aber sehr begrüße) Knochenmetastasen sind ja nun nicht gerade selten in einer onkologischen Praxis und wenn die behandelnden Ärzte diese Option nicht kennen und vorschlagen können, ist ein Patient nicht optimal beraten.

Bei der Gelegenheit möchte ich auch mal noch ein paar Worte zum allgemeinen Knochenszinitgramm schreiben.
Diese Untersuchung verweigere ich erfolgreich seit mehreren Jahren. Aus gutem Grund. Jedesmal wenn irgendein Arzt ein Szintigramm wollte, konnte man am Ende, nur aufgrund des Szintigramms, doch so rein gar nichts sagen. Es konnte keine Diagnose erhoben und schon gar keine Therapie vorgeschlagen werden. Immer und jedesmal mußte im Anschluß entweder ein CT oder ein MRT gemacht werden. Erst dann war Klarheit. Also spare ich mir den Tag den ein Szintigramm immer kostet und gehe lieber gleich zu CT oder MRT.
Um gernell nachzusehen ob man Knochenmetastasen hat, ist das Szintigramm ein angebrachtes Verfahren. Ebenso sinnvoll ist ein Szintigramm um einschätzen zu können, in wie weit entzündliche Prozesse, wie Rheuma, für Knochen-und/oder Gelenkbeschwerden verantwortlich sind.
Laßt Euch nicht, ohne jeden Sinn, einfach dahin schicken.
Wenn ich erkläre, warum ich das nicht möchte, hat das bisher noch jeder akzeptiert und dann eben gleich CT oder MRT angeordnet. Mir bleibt dadurch jedesmal ein unangenehmer Tag erspart. Warum das dennoch immer wieder so völlig umsonst angefordert wird, ist mir ein Rätsel. Ich muß auch dann noch zum Schluß erklären, dass bei mir, nach der ersten Chemo und in der „krebsfreien“ Zeit, wegen unklarer Rippenbeschwerden auch ein Szintigramm gemacht wurde. Bei der Bildbesprechung wurde mir dann genauestens erklärt, dass ich multiple Rippenbrüche hätte und die Bilder seien ganz typisch. Heute weiß ich, das waren die ersten Knochenmetastasen und die Diagnose war falsch. Also ich pfeif auf Szintigramm. In jeder Hinsicht. Ich kann jedem Betroffenen nur raten, sich sehr genau zu überlegen, ob man ein Szintigramm machen lassen möchte und wozu.

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6 Gedanken zu “Radionuklidtherapie

    • Mich betrifft das zum Glück aktuell nicht wirklich und ich habe auch keinen echten Grund zu meckern 🙂 Aber wenn ich anderen Betroffenen damit weiterhelfe, mache ich das gerne. Die alten Beiträge hier einzeln, sozusagen auf Anfrage, einzustellen, braucht auch nicht allzuviel Zeit.
      Ich geniesse den Sommer, immer wenn ich zuhause abschalten möchte, auf meiner Hollywoodschaukel unter meinen gerade blühenden und zart duftenden Rosen 😉
      LG
      Sue

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  1. Hallo Sue !

    Freut mich wieder mal was von Dir zu lesen. Schönes Bild wie Du da auf der Hollywoodschaukel sitzt mit Blick auf
    Rosen. Leider ist mein Balkon, auf dem ich den Sommer genieße nicht für Rosen geeignet (nur bis 12 Uhr Sonne)
    weshalb ich immer Petunien pflanze, die aber leider immer mit Läusen Probleme machen und Chemie möchte ich
    nicht nehmen. Eine Hollywoodschaukel würde ich mir sofort holen wenn mein Balkon größer wäre, aber ich will
    nicht meckern, dafür habe ich einen Weitblick auf die Berge.
    Ich habe seit mehreren Jahren 2 Knochenmetas und Stillstand mit Bisphosphonatinfusionen und hatte noch nie
    Schmerzen daher kommt diese Therapie für mich zumindest jetzt nicht in Frage. Ich habe die Sorte die
    Knochemmaterial abbauen, ich glaube die machen sowieso solange es nicht zu Frakturen kommt weniger
    Schmerzen, weil keine Nerven eingeklemmt werden können wie bei der Sorte die Knochen aufbauen.
    Genieße den Sommer, heute ist schon wieder Sommersonnwende, wie die Zeit vergeht.

    LG

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  2. Liebe Sue,
    unglaublich, dass du mehr über die Behandlungmöglichkeiten weißt, als ein Onkologe.
    Wenn sich ein Patient nicht auskennt, ist er ausgeliefert und verloren.
    Danke für deinen informativen Beitrag. Lg

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