Depression

Ich habe überlegt ob ich darüber schreibe, oder lieber nicht und mich dann dafür entschieden.

Depression ist ja ein Thema, bei welchem manche Menschen so ein vorgefertiges Bild vor Augen haben. Was Quatsch ist. Depression ist eine Krankheit, die bei jedem ein wenig anders ist. Bei mir hat Depression nicht mit Weinen oder Traurigkeit zu tun. Ich zweifle auch nicht am Sinn meines Lebens und kenne in diesem Zusammenhang, keine Suizidgedanken. Depression ist eine Erkrankung mit ganz unterschiedlichen Symptomen.

Ich hatte das mit etwa 20 Jahren zu ersten Mal. Damals gab es das noch nicht und ich bekam von der Ärztin ein Amphetamin (Aufputschmittel, heute nicht mehr auf dem Markt) verschrieben. Beim nächsten Arztbesuch in dieser Angelegenheit wurde mir Valium (Beruhigungsmittel) verschrieben. Beides ist, wie man heute weiß, völlig verkehrt und unangebracht. Glücklicherweise hatte ich schon damals ein gutes Gefühl dafür, was mit hilft und was nicht. Ich habe beide Medikament nicht genommen und mich einfach irgendwie da durch gewurschtelt. So gab es noch ein paar Versuche die immer ähnlich verlaufen sind.

Vor etwa 12 Jahren, war es mal wieder so weit, dass ich ärztliche Hilfe deswegen in Anspruch nehmen wollte.  Diesmal bin ich auf einen Arzt gestossen (außerdem ist das einfach heute auch ein ganz anderes Thema)  der erkannt hat um was es geht und welche Hilfe ich benötige. Ich wurde stationär aufgenommen und mit einem Antidepressivum eingestellt. Nach etwa vier Wochen konnte ich die durchweg positive Wirkung bemerken und wurde in der fünften Woche wieder entlassen. Ich habe das Mittel bis zur Diagnose meiner Metastasen, durchgenommen. Danach hatte ich den Eindruck, ich brauche es nicht mehr.

Ich war der Meinung, der Kampf ums Überleben wegen der Metastasen, steht irgendwie im Widerspruch mit Depression. Weit gefehlt. In den letzten Monaten hat sich leider wieder die gleiche Symptomatik gezeigt, wie ich sie ja schon lange kenne.

Bei mir zeigt sich die Depression durch eine absolute und massive Antriebslosigkeit und eine bleierene Müdikeit. Das fängt recht unauffällig an und steigert sich dann über Wochen. Bis ich festgestellt habe, der Sommer rauscht so an mir vorbei und ich bekomme überhaupt nichts mit. Ich habe zwar immer noch zwischendurch ein paar Kinderhüte-Termine wahrgenommen, aber das war es dann auch schon. Ansonsten Schlafen, Schlafen, Schlafen. Ich bin dann nicht in der Lage, eine einigermassen vernünftige Ernährung zu bereiten, der Nachtschlaf ist unangenehm und gestört, dafür haut es mich tagsüber komplett aus den Latschen und in Tiefschlaf. Ein normaler Tag – Nacht – Rhythmus sieht anders aus. Dazwischen immer belastende Träume und ein elendes Gedankenkarusell. Die Belastungen der letzten Jahre kommen immer wieder hoch. Das fängt an mit diesen fürchterlich verletzenden und verleumderischen Buchtexten. Dieser Schock steckt mir noch heute in den Knochen. (Die Person, die das alles veröffentlicht hat, habe ich als junger Mensch mal sehr verehrt).  Es geht weiter mit dem Prozess gegen die Uniklinik, bis zum Unfall auf der kaputten Treppe in der Rehaklinik. Natürlich gab es auch sonst noch einige menschliche Tiefschläge. Dann wurde ich, nachdem das Thema Methadon durch alle Medien gegangen ist, von Hilfeanfragen und den entsprechenden Kranken-(Horror-) Geschichten, sozusagen überschwemmt, was auch ganz schön belastend ist, vor allem wenn man eben nicht helfen kann  . . . . . von meiner grundsätzlichen Situation mit dem drohenden Tod seit nun fast acht Jahren, mal ganz abgesehen . . . . .

Jetzt nehme ich seit knapp drei Wochen wieder mein Antidepressivum und merke langsam erste Verbesserungen. Es wird noch ein bisschen dauern, aber ich habe zum Glück diesmal wohl ein klein wenig früher gemerkt, was da mit mir los ist und konnte schneller gegensteuern.

Als ich damals stationär war, war die halbe Station voll mit Patienten, die ihre Pillen abgesetzt hatten. Ich habe mir damals geschworen, dass mir das nicht passiert. Ich bin knapp daran vorbei geschrammt und werde diese Pillen jetzt eben auch einfach bis zum Lebensende schlucken. Auf diese eine Pille kommt es nun wirklich nicht an.

Mein Onkologe meinte, massiver Krebswachstum könnte auch mal ähnliche Symptome machen, aber ich verlasse mich da auf mein Gefühl. Zur Sicherheit haben wir alle Blutwerte kontrolliert und die haben mein Gefühl bestätigt. Mit den Blutwerten, einschl. Tumormarker, ist alles bestens.

Jetzt hoffe ich sehr darauf, dass die Wirkung der Pillen bis zu meinem Aufenthalt an der Nordsee, voll eingesetzt hat und ich diese Tage, ebenso wie letztes Jahr, wieder sehr geniessen kann. Es wird auf jeden Fall sehr gut sein, mal aus allem Alltag raus zu kommen und Meeresluft zu schnuppern. Glückllicherweise bin ich auch dieses Jahr wieder eingeladen. Dieses Jahr wird uns ein Hund begleiten und darauf freue ich mich auch sehr. Ich mag ja Hunde ebenso wie Katzen, ich bin nur kein Gassi-Geher und hatte daher nie einen eigenen.

Damit mir nicht langweilig wird, hat mein Wasserbett wohl ein Leck. Zumindest war da jetzt plötzlich sehr viel nass und ich werde mich nun daran machen, alles abzuziehen und zu untersuchen. Ich hoffe, ich kann das reparieren. Ansonsten muss ich die nächsten Tage und Wochen, wohl auf dem Sofa schlafen. Eine normale Matratze macht keinen Sinn mehr, bei all meinen Knochen- und Gelenkproblemen. Mir graust schon vor der vielen Wäsche. In dem Wasser ist ja alles mögliche an Chemie drin und ich muss daher auf jeden Fall, wirklich alles ausgewaschen. Teilweise werde ich wohl, wegen der Grösse der Teile, in den Waschsalon müssen. Dort gibt es extra große Waschmaschinen und Trockner. Also jede Menge nerviger Zusatzarbeit, wo mich zur Zeit eh schon alles so viel Kraft kostet.

Aber auch das wird alles vorüber gehen  🙂

 

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7 Gedanken zu “Depression

  1. Es ist gut darüber zu schreiben, denke ich, und die viele Wäsche, die anfällt würde ich in einen Waschsalon bringen. das kann man sich ja selbst nicht zumuten. Und das Antidepressivum würde ich nehmen bis in alle Ewigkeit, das kann ja nicht schaden. Es ist ja hergestellt, damit man es nimmt, wenn man es braucht. Meine Mutter hatte auch Depressionen, war in einer Klinik, kam wieder heim, war eigentlich wieder geheilt, dann ist sie gestürzt, kam in ein anderes Krankenhaus. Da die Krankenhäuser wohl alle untereinander vernetzt sind, haben die wohl die Unterlagen eingesehen und haben sie liegen lassen. Schlussendlich ist sie gestorben an einem Blutgerinnsel im Kopf, was keiner bemerkt hat. ich denke, man hat einfach nicht genug untersucht. Das alles ist jetzt 40 Jahre her. Es war tragisch, ich wünsche Dir alles Gute. Ich hab heute glaub ich zum erstenmal bei Dir kommentiert

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    • Solche Geschichten wie Deiner Mutter gibt es leider oft und immer öfter. Der ganze moderne Kram macht es leider überhaupt nicht besser, sondern verhindert eher, dass Menschen/Ärzte, Verantwortung übernehmen und selbst denken und handeln.
      Schön dass Du Dich hier auch mal zu Wort meldest 🙂
      Wäsche Waschen und Trockenen lassen, kann ich mir leider nicht leisten und werde alles selbst erledigen müssen.
      LG
      Sue

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  2. Sorry M-L;

    ich habe Deinen Kommentar gelöscht. Du hast genau die Dinge aufgezählt die in den vergangenen Jahren den von einer Depression betroffenen Menschen, das Leben und gesund werden, so schwer machen. Was da an TV-Mist verlinkt war, möchte ich nicht in meinem Blog stehen haben.
    Fast alles was Du so geschrieben hattest, war der Grund, warum ich lange überlegt hatte, ob ich offen darüber schreibe. Genau solche Kommentare und Links, möchte ich nämlich nicht. Uralte Halbweisheiten und Laienvorstellungen.
    Ich weiß das Du das gut meinst, aber ich und andere Betroffene bringen so Aussagen wie: „viel Bewegung ist gut“ absolut auf die Palme, machen es eher akut schlimmer und bringen Betroffene keinen Millimeter weiter. Das ist für Gesunde vielleicht nicht leicht nachzuvollziehen, aber Betroffene wissen was ich meine. Bewegung ist immer und in jeder Lebenssituation gut und gesund. Aber bei einer richtigen Depression ist so eine Aussage einfach Müll, nicht zielführend und alles andere als hilfreich. Ich hoffe Du verkneifst Dir, vor den in Deinem Umfeld Betroffenen solchen Aussagen.
    Dass es erhöhte Suizidraten bei dem einen oder anderen Mittel gibt und gab, liegt in der Natur der Dinge. Nicht jedes Antidepressivum ist das Richtige bei jeder Art von Depression. Ich bin und war nie suizidgefährdet, daher sind Deine Hinweise in diese Richtung für mich nicht nachvollziehbar. Suizidgefahr gehört nicht automatisch zu einer Depression. Es gibt z. B. sehr umstrittene Mittel, die bei nicht depressiven Menschen, ganz schlimme Nebenwirkungen haben, bei einem wirklich von einer Depression Betroffenen aber überhaupt keine. Das ist bei vielen Medikamenten der Fall (z.B. Morphine bei Menschen ohne entsprechende Schmerzen) Daher sollte eine medikamentöse Therapie immer nur von Fachleuten und am besten stationär durchgeführt werden. Gerade beim ersten Mal. Oft geht eine Depression mit einer Verschiebung der entsprechenden Körperchemie einher und da kann man durch die Sonne tippeln bis man schwarz wird, davon ändert sich da leider so rein gar nichts. Bitte verkneif Dir solche Binsenweisheiten.
    Mir helfen meine Pillen und vielen anderen Betroffenen auch.
    LG
    Sue

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  3. Liebe sue, auch ich wünsche dir einen erholsamen Urlaub.
    Ich bin so begeistert von deiner Art zu schreiben und zu be-schreiben…. ich weiß gar nicht wie ich’s sagen soll. nochmals ganz lieben Dank dafür!!!! So und nun ab in den Urlaub…😀

    Liebe Eva;
    vielen Dank für Deine „Begeisterung“ Es scheint Sinn zu machen, auch über dieses Thema zu schreiben. Da gibt es doch leider noch sehr, sehr viele, längst von der Wissenschaft überholte, Vorstellungen und Meinungen.
    Bis zu meinen Tagen am Meer, dauert es noch ein paar Wochen. Das ist aber in diesem Fall ganz gut so. Ich will bis dahin wieder ganz die Alte sein 😉
    LG
    Sue
    PS: jetzt habe ich endlich rausgefunden, wie ich hier direkt antworten kann, ohne immer gleich einen ganzen Kommentar einzustellen

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  4. Auch von mir ein Sorry, denn das waren auch persönliche Erfahrungen von mir selbst, denn ich hatte auch eine Depression (eine Leichte)….Aber egal, ich wünsche Dir jedenfalls gute Besserung .

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  5. Liebe Sue, herzlichen Dank für diesen Beitrag. Das kann ich nur unterstreichen! Ich wünsche Dir weiterhin alles Liebe.

    Hallo Beate,
    Vielen Dank.
    ich bin ein klein wenig überrascht über die zahlreiche Zustimmung. Es scheint doch wirklich sehr viele Betroffene zu geben die eben auch unter den Vorurteilen und Uraltwissen von Nichtbetroffenen leiden.
    LG
    Sue

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