Wechseljahre

Diesen Beitrag hatte ich 2013 im alten Blog eingestellt. Nachdem ich nun mehrfach darauf angesprochen wurde, ist er hier nochmal:

Zunächst ein paar medizinische Fakten, möglichst einfach erklärt:

Die Gebärmutter ist das Gebärorgan und hat mit den Wechseljahren oder Hormonen, rein gar nichts zu tun. Lediglich während einer Schwangerschaft werden in der Gebärmutter Hormone produziert. Ob man eine Gebärmutter hat oder nicht, hat keinerlei Einfluß auf Zeitpunkt oder Intensität der Wechseljahre. Im Gegenteil, wer keine Gebärmutter hat, merkt oft nichts vom Beginn der Wechseljahre.

Die entsprechenden Hormone,  werden von der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und den Eierstöcken (Ovarien) reguliert.

Die Hirnanhangsdrüse regt die Eierstöcke an Östrogen/Estrogen (es gibt hier einige Untergruppen, das spielt aber zum Verständnis keine Rolle)  zu produzieren und der Östrogenspiegel im Körper reguliert die Hirnanhangsdrüse. Das ist sozusagen ein Kreislauf.

Was genau die Wechseljahre auslöst und warum, ist nicht wirklich bekannt.

Zu einem gewissen Zeitpunkt reduziert entweder die Hirnanhangsdrüse ihre Arbeit oder die Eierstöcke geben langsam die Hormonproduktion auf.

Wenn die Hirnanhangsdrüse zuerst schlapp macht, dann hat man oft keinerlei der bekannten Symptome.

Sind es die Eierstöcke welche zuerst beginnen, fallen die Symptome heftiger aus.

Was nun zuerst anfängt diesen Prozeß einzuleiten, läßt sich von außen nicht beeinflußen. Die Dauer dieses Prozesses ist komplett unterschiedlich lang.

Das Unterhautfettgewebe produziert auch eine gewisse Menge Östrogen/Estrogen. Daher sind Menschen mit sehr viel Unterhautfettgewebe oft recht weiblich.

Östrogen/Estrogen ist für einige Prozesse im Körper verantwortlich und daher macht der sinkende Spiegel, dann auch entsprechend unterschiedliche Symptome.

Gesundheitlich sehr wichtig, ist die Wirkung auf den Knochenstoffwechsel. Osteoporose (bruchgefährdete Knochen) ist oft die Folge.

Die Idee, die Symptome und einen Teil der Folgen der Wechseljahre einfach durch Zuführung der entsprechenden Hormone durch Pflaster oder Tabletten zu umgehen, ist nicht neu. Das ist ein sehr umstrittenes Thema. Das gilt auch für die pflanzlichen Produkte. Immer wieder gibt es neue Studien, mit komplett wechselnder Aussage, vor allem zum Risiko an Brustkrebs zu erkranken. Dazu möchte ich mich nicht äußern und das muß jede Frau für sich selbst entscheiden. Infos dazu sind überall leicht zu finden.

 

Symptome und Probleme:

Wie schon geschrieben, hängen Intensität und Umfang der Symptome davon ab, ob zuerst Hirnanhangsdrüse oder Eierstöcke den Prozeß beginnen. Daher gibt es Frauen, die so gut wie überhaupt keine Symptome haben (Ich gehöre leider nicht zu dieser glücklichen Gruppe). Manche Frauen haben nur einen Teil der Symptome, Andere haben Alles.

Der Einfluß auf die Psyche hängt manchmal auch davon ab, wie man grundsätzlich zu seiner „Fruchtbarkeit“ steht.

Für manche Frau ist schon dieses fühlbare „Ende“ der Fruchbarkeit ein ziemliches Problem, manchmal überhaupt nicht bewußt.

Oft fällt der Zeitpunkt der ersten Symptome auf den Zeitpunkt, an welchem die Kinder flügge werden. Das bedeutet dann für manche Frau eine komplette Neuorientierung und zusätzlich noch die ganzen neuen und nervigen Symptome. Das kann dann schon mal an die Grenzen der Belastbarkeit gehen. Hier gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten des Umgangs und der Verarbeitung.

Der reine Hormonmangel führt bei manchen Frauen zu einer Depression. Über den Umgang mit einer Depression gibt es auch sehr unterschiedliche Meinungen. Wichtig ist nur, dass man eine Depression wahrnimmt und reagiert. Auf jeden Fall lieber zu früh.

Stimmungsschwankungen sind nicht immer gleich eine Depression und gehören auch zu den typischen Symptomen. Ungeduld, ein dünnes Nervenkostüm, eine gewisse Aggresivität, Weinerlichkeit, etc. und das alles oft in buntem und nicht wirklich kalkulierbaren Wechsel. Auch hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten zu reagieren oder damit umzugehen.

Bei allen „psychischen“ Problemen ist es wichtig, sie wahrzunehmen. Psychische Probleme  (ich nenne das eigentlich lieber seelische Probleme) zu haben heißt nicht das man geisteskrank ist oder „eine Macke“ hat (andererseits haben wir doch alle irgendeine „Macke“)

Mit einem gebrochenen Fuß geht man zu einem Chirurgen, zum Einkaufen in den Supermarkt und mit störenden, belastenden seelischen Probleme sollte man ebenso selbstverständlich zu einem entsprechenden Fachmannn gehen. Wenn man darunter „leidet“ sollte man Maßnahmen ergreifen.                                                      Sollte es überflüssig gewesen sein, hat man sich nichts vergeben. Wenn es richtig und angebracht war, hat man das nicht für Alle erkennbar, auf die Stirn tätowiert.

 

Schweißausbrüche und Hitzewallungen sind in aller Munde.

Über Produkte die helfen sollen, vom Arzt oder aus der Apotheke, äußere ich mich nicht, das  (Bisphoyphonatesollte jede Frau mit dem Arzt ihres Vertrauens klären. Was man aber immer ausprobieren kann, ist Salbei. Wer das  mag, kann sich jeden Tag eine ordentliche Menge von Tee gönnen und manchmal hilft das richtig gut. Wie gesagt, machmal. Aber damit kann man nichts falsch machen und man vergibt sich nix.  Ich selbst mag keinen Salbei und als Tablette hat mir das nichts gebracht. Ich weiß aber von Frauen denen das erhebliche Linderung gebracht hat.

Durch den reduzierten Hormonspiegel verändert sich auch z. B. der Haarwuchs. Er wird am Körper allgemein, meist stärker. Läßt an anderen Stellen aber deutlich nach. Leider genau anders herum, als uns Frauen das lieb wäre.

Den veränderten Knochenstoffwechsel und die daraus oft resultierende erhöhte Bruchgefahr, habe ich oben schon erwähnt. Hier kann man aber, in Zusammenarbeit mit einem Arzt, hormonfrei eingreifen (Bisphosphonat, Calcium,Vit. D).  Sport, auch und besonders Kraftsport, hat auch hier eine nachgewiesene positive Wirkung

Der gesamte Stoffwechsel ist durch die Wechseljahre ebenfalls verändert, was bei einigen Frauen zu einer gewissen Fettumverteilung und/oder –zunahme führt. Hier kann man durch Sport und Ernährung aber viel auffangen und in den Griff bekommen.

 

Ich halte es für wichtig, zu wissen was da so im Körper passiert und es einigermassen zu verstehen. Auch das Wissen, dass man kaum Einfluß auf das Geschehen hat, ist wichtig.

Darüber nachzudenken was das „Frausein“ ausmacht, wie man das für sich selbst definiert macht Sinn. Eventuell kann man da auch die Eine oder Andere (vielleicht traditionelle und althergebrachte) Meinung ändern und sich dadurch den Umgang mit den Symptomen erleichtern.

 

Starke Stimmungsschwankungen und depressive Anzeichen sollte man ernst nehmen und nicht übergehen. Klar läßt sich manches durch ein neues Hobby, neue Freunde, eben Ablenkung, erleichtern. Das ersetzt aber nicht notwendige therapeutische Schritte.

Es kann auch hilfreich sein, sich mit Gleichgesinnten und ebenfalls Betroffenen auszutauschen.

Letztendlich muß jede Frau selbst, einen für sie sinnvollen und richtigen Weg finden. Aber mal zu sehen, wie andere Frauen das machen, kann nicht schaden.

Das Thema zu tabuisieren ist auf jeden Fall keine Lösung. Sich zu schämen ist absolut überflüssig und schädlich. Das sind alles natürliche Vorgänge, denen man kaum aus dem Weg gehen kann und niemand hat sich das alles ausgesucht. Natürlich muß man das nicht einfach hinnehmen und still vor sich hin leiden. Es gibt viel zur Unterstützung und Hilfe. Aber man muß sich darum kümmern und sich darüber klar sein, wo man Hilfe und Unterstützung will und braucht.

Alle Frauen bekommen Wechseljahre. Manche mit mehr, manche mit weniger Symptomen.

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2 Gedanken zu “Wechseljahre

  1. …und auch männer haben angeblich sowas wie wechseljahre.
    das macht das thema wechseljahre zu einem menschlichen „problem“, nicht nur ein weibliches.
    ich selbst kann noch nicht mitreden, habe also nichts sinnvolles beizutragen^^
    aber ich finde deine „aufklärungsbeiträge“ sehr gut. vor allem mag ich, dass sie frei von humbug sind (wie z.b. zweifelhafte therapien, zuckerkügelchen, wunderernährung).

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    • Hallo DLA,
      ich bemühe mich, alles was umstritten ist, komplett raus zu lassen.
      Männer können in deren Wechseljahren, unter Testosteronmangel leiden. Das kann Symptome bis hin zu schweren Depressionen machen. Leider nehmen Männer so etwas ungern ernst und reagieren, wenn überhaupt, oft viel zu spät. Aber die Symptomatik bei den Männern, ist mit dem was Frauen in dieser Zeit durchmachen, nicht wirklich vergleichbar.
      LG

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