Lebenszeichen

Da es nicht wirklich etwas zu berichten gibt, war es hier lange still.

Ich bin das Thema Krebs und meine Gesundheit, irgendwie ziemlich leid. Seit so vielen Jahren muss ich mich ständig damit beschäftigen. Ob ich will, oder nicht. Schon das täglich mehrfache Einnehmen der diversen Medikamente geht mir inzwischen gewaltig auf den Keks. Mein Onkologe nennt das „Therapie müde“.  Er hat sehr schnell verstanden wovon ich spreche und kann das wohl gut nachvollziehen. 

In den vergangenen Wochen war mal wieder große Kontrolle:  meine Blutwerte sind, wie immer, super gut. Da wäre manch Gesunder neidisch. Das akutelle CT gibt viel Interpretationsspielraum. In der Lunge scheint alles munter zu wachsen. Größere und mehr Metastasen. Ansonsten ist alles unverändert und wächst im Schneckentempo. Da könnte man jetzt lange drüber diskutieren, ob eine weitere Einnahme der Chemo noch Sinn macht.  Erst mal bleibt alles wie es jetzt schon so lange ist. Nach meinem Gefühl ist alles unverändert und daher möchte ich nichts ändern. Der Onkologe zieht mit. Ich bin froh, einen Arzt zu haben, mit dem ich wirklich ganz offen und ehrlich über alles sprechen kann und der sich als Berater sieht und nicht als Gott in weiß. 

Jetzt geht es dann erst mal an die Nordsee, nach Holland. Raus aus dem Alltag. Katze und Wohnung sind bestens versorgt und ich kann entspannt weg, ohne mir darum einen Kopf machen zu müssen. Ich bin sehr dankbar Freunde zu haben, die das möglich machen. 

Es gibt zaghafte Pläne was weitere Reisen angeht. Ich halte es für mich für sehr wichtig, immer irgendetwas positives für die Zukunft zu planen. Es ist so schon schwer und wird irgendwie auch immer schwerer, einen Alltag zu gestalten. Mit schönen Zukunftsplänen, fällt alles ein klein wenig leichter.

In Anbetracht der akutellen CT-Befunde, kann ich nicht mehr ganz so unbefangen planen, wie in den letzten Jahren. Eine drastische und schnelle Änderung meines Zustandes ist wieder ein wenig näher gerückt. Das nimmt natürlich viel innere Freiheit und läßt mich mit dem Thema Sterben, wieder mal etwas dichter zusammenrücken. Für gesunde Menschen ist das alles sehr schwer vorstellbar.

Ansonsten ist bei mir alles wie immer. Babysitten/Kinderhüten holt mich immer wieder raus und lenkt mich ab. Ein normaler Alltag fällt mir immer schwerer, warum auch immer. Es ist alles so mühsam. Ich bin mürbe geworden. Bei dem ganzen Gekrebse, werde ich auch natürlich zusätzlich älter und baufälliger. Einem Hütekind habe ich das neulich versucht zu erklären:  ein altes Auto fährt nicht mehr so gut und muss dauernd in die Werkstatt.

Aber jetzt freue ich mich erst mal auf die Nordsee.

 

 

13 Gedanken zu “Lebenszeichen

  1. Liebe Sue, ich kann Dir garnicht sagen, wie froh ich bin, von Dir zu lesen…
    Habe mir – ganz ehrlich – sehr große Sorgen gemacht und jeden Tag in den Blog geschaut…
    Aber jetzt wünsche ich Dir von ganzem Herzen eine schöne und erholsame Zeit am Meer bei schönem Wetter und gutem Essen… alles Liebe, Su

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  2. Hallo Sue,
    Andreas und ich wünschen dir einen wunderschönen Nordseeurlaub, erhol dich gut und lass die Seele baumeln.
    Das mit der Therapiemüdigkeit kann Andreas und ich sehr gut nachvollziehen, obwohl er noch nicht so lange in Behandlung ist wie du (aber immerhin auch schon etwas über fünf Jahre). Irgendwann hat man einfach keine Lust mehr Medikamente einzunehmen oder beim Arzt abzuhängen, wir hätten auch nie gedacht, dass es mal soweit kommt.

    Das es im Moment bei dir eine Progression in der Lunge gibt, ist natürlich alles andere als gut und hoffentlich zeigt das nächste CT wieder eine Verbesserung. Andreas Arzt lässt ihn im Moment in Ruhe was die Capecitabin Einnahme betrifft. Solange alles stabil ist, wird er nichts an seiner Therapie ändern. Toll das du so einen emphatischen Onkologen hast, der dich ernst nimmt und sich nicht vor dir aufspielt.

    Liebe Grüße Sibylle und Andreas

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    • Vielen Dank.
      Ja, ich bin froh bei diesem Onkologen gelandet zu sein.
      Mit einer Verbesserung ist nicht zu rechnen. Es hat sich ja an der Therapie nichts geändert. Aber wenn es nicht viel schlechter wird, reicht mir das. Allein an den Metastasen in der Lunge werde ich nicht sterben. Hauptsache die Leber bleibt sauber und im Peritoneum passiert nix. Diese beiden Stellen können sehr schnell, sehr große Probleme machen, daher liegt der Focus eher dort.

      Ich hoffe bei Euch bleibt auch alles weiter ruhig.

      Lieben Gruß
      Sue

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  3. Liebe Sue,

    ich verfolge deinen Weg schon länger. Du bist für mich ein ganz wichtiger „Mutmacher“ gewesen. Bin auch seit 2018 mit BK 2x verschiedene Dinger, Knochenmetas und BRCA2 dabei…
    Da ich auch in Hamburg in Behandlung bin, würde mich interessieren, wo du die Behandlung mit den Radionukliden hast machen lassen. Bevor ich Schmerzmittel einwerfe, würde ich das erstmal ganz gerne probieren. Wäre es dir möglich, mir die Klinik zu nennen?

    Ganz liebe Grüße
    Bollimum

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  4. Liebe Sue,
    Ich hoffe so sehr, dass bei Dir weiterhin alles – den Umständen entsprechend – OK ist…
    Du erinnerst Dich vlt. noch, dass ich mit meiner Mum seit März 2017 mit Allem was geht gegen Knochen- und Lebermetastasen gekämpft habe… Ende August wurde im Leber-MRT Ascites festgestellt, zahlreiche Punktionen und KH-Aufenthalte folgten… am 01.11. verloren wir den Kampf 😭😭😭 ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass Du Deinen Weg noch möglichst lange gehen kannst und drücke Dir weiterhin ganz fest die Daumen… traurige Grüße, Su

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