Aktuelles//Corona und Krebs

Ich habe mal wieder eine Ärzte-Runde hinter mir.

Der Endokrinologe ist inzwischen mit meinen Werten zufrieden. Die Erhöhung der Cortisondosis hat den gewünschen Erfolg gezeigt. Jetzt wurde nur die zeitliche Verteilung noch etwas verändert, um frühmorgendliche Tiefs und die dazugehörigen Symptome, auch noch verschwinden zu lassen. Also hier ist alles im grünen Bereich.

Beim Termin beim Onkologen, war mal wieder das routinemäßige CT an der Reihe. Das CT hat ergeben, dass es bei den Lungenmetastasen in den letzten sechs Monaten eine Größenzunahme von über 20% gibt. Es gibt keine Zunahme bei der Anzahl. Alle anderen Metastasen sind, so weit beurteilbar, unverändert. Konsequenz ist, dass die bisherige Einnahme der Chemotherpie, keinen Sinn mehr macht.

Da ich durch Lungenmetastasen und COPD zu den Hochrisikopatienten für Corona zähle, ist das Absetzen der aktuellen Chemo, eh sinnvoll. Durch die Chemo ist meine allgemeine Abwehrsituation deutlich schlechter.  Damit nimmt die Gefahr für mich, weiter zu. Also jetzt erst mal weiter ohne Chemo.

Wie es therapeutisch weiter gehen soll, kann zur Zeit nicht entschieden werden. Der nächste Schritt wäre ein Eingriff, um den Hormonstatus der Lungenmetastasen zu bestimmen. Erst wenn man den kennt, kann man entscheiden, welche Therapie sinnvoll wäre. Da ich dazu aber in eine Lungenklinik müsste, fällt das für die nächsten Monate flach. Als Hochrisikopatientin jetzt in eine Lungenklinik zu liegen, wäre mehr als dämlich. Also muss ich abwarten, bis Corona hier durch ist, oder es eine Impfung gibt. Corona trifft mich also von ganz unterschiedlichen Seiten. Aber das beeinträchtigt mich oder meine Stimmung nicht. Ich lebe nun seit gut 10 Jahren auf diesem Pulverfass und das ist dann doch erheblich länger, als irgendwer je erwartet hätte. 10 geschenkte Jahre. Dass das Fortschreiten meiner Erkrankung nun ausgerechnet mit Corona zusammen fällt, ist doof. Mehr aber auch nicht.

Meinen „Traumurlaub“ konnte ich noch vor dem ganzen Corona-Chaos verbringen. Es war ein Traumurlaub für mich, aber es war auch eine sehr ernüchternde Zeit. An einem paradiesischen Ort zu sehen, wie sich Gäste aus der sogenannten aufgeklärten Welt verhalten, war schlimm. Ich fand es sehr frustrierend zu sehen wie Kippen im Sand landen und Plastikflaschen kreuz und quer im Gelände. Was die Menschen vor Ort mit ihrer Natur machen, ist eine Sache. Wie sich aber die Menschen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, etc. dort verhalten, war für mich unfassbar. Aber solchen Menschen verdanken wir die Erkrankung an sich, ja auch. Menschen die glauben man könnte und dürfte jede Art Tier fressen, oder für z. B. komische Heilverfahren verwenden. Fledermäuse, Affen, etc.  Diesen Menschen verdanken wir auch die aktuell zunehmenden Einschränkungen. Ausgangsbeschränkungen, weil irgendwelche Idioten jetzt glauben Partys feiern zu müssen. Rentner die dicht an dicht im Cafe sitzen  (habe ich gerade gestern gesehen) Es ist schlimm, aber so sind Menschen wohl.

Ich bin auf jeden Fall nicht bereit, jeden Preis dafür zu bezahlen, um noch länger leben zu können. Meinem Onkologen ist das klar. Es ist vollkommen klar, dass ich mir keinen Port mehr für irgendwelche Hammer-Chemos einbauen lassen. Ich werde mit Sicherheit keine Therapie beginnen, zu der ich mich ständig in eine Klinik legen müsste oder täglich Stunden in einer Praxis rumsitze. Entweder gibt es, nach Bestimmung der Hormonrezeptoren etwas aktzeptables für mich, oder eben nicht. Bestrahlung, Cyberknife oder ähnliches sind keine Option. Die Metastasen sind  für eine derartige Therapie zu zahlreich und zu verstreut. Wie der Status bei den Metastasen am Peritoneum (Bauchfell) aktuell ist, läßt sich nicht überprüfen. Die Knochenmetastasen sind auf jeden Fall unverändert. Ich habe hier nach wie vor, keine erhöhte Frakturgefahr und das erleichtert zumindest den Umgang im Alltag. Durch Corona wird meine aktuelle Situation also nicht weiter zu klären sein. Aber nach 10 Jahren auf dem Pulverfass, beeinträchtigt mich das nicht. Auch die aktuellen Einschränkungen sind für mich kein Problem. Dass ich in absehbarer Zeit nicht reisen kann, ist schlimmer für mich. Da der weitere Verlauf meiner Erkrankung nicht einzuschätzen ist, weiß ich nicht, ob ich nach Corona überhaupt noch in der Lage bin, reisen zu können. Das ist der einzige Aspekt an der aktuellen Situation, der mich ein wenig stört. Das läßt sich aber alles nicht ändern, also werde ich mich damit irgendwie arrangieren. Ich hoffe sehr, die auch für dieses Jahr wieder geplante Holland-Reise, Ende Sommer, klappt.

Dass die Corona-Situation nicht nach Ostern vorüber ist, sollte inzwischen klar sein. In China gibt es jetzt erstmals seit Ausbruch, positive Zahlen. Also hat das dort gute vier Monate gedauert. So wird das auch mindestens hier sein. Hier wird ja eher etwas gründlicher und früher eingeschritten und alles etwas abgebremst, also wird  es hier eher etwas länger dauern.

 

Bleibt gesund und passt auf Euch auf

 

10 Gedanken zu “Aktuelles//Corona und Krebs

  1. Liebe Sue, verrate doch, wohin deine Traumreise ging, ich bin bei deinem letzten Post schon ganz neugierig geworden… und ich wünsche dir, dass du noch einige Reisen unternimmst.
    Ich bin erst mal gespannt, ob ich Corona selbst überstehe, die hohe Ansteckungsgefahr, das verminderte Immunsystem und meine Lunge in absolut desolaten Zustand…
    Und vielleicht kannst du das aus deiner eigenen beruflichen Erfahrung ja beantworten: ich frage mich die ganze Zeit bei den Berichten aus Italien, dass sich die Lungenentzündung anfühlen würde, als würde man langsam ertrinken… es werden doch sicher palliative Maßnahmen für die Sterbenden eingesetzt, oder nicht? Medikamente, die einen die Luftnot nicht spüren lassen? Eine Sedierung? Oder nicht? Ich habe da leider gar keine Ahnung, aber das beschäftigt mich schon.

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    • Wie sich das anfühlt, weiß ich glücklicherweise (noch) nicht. Ich weiß aber, dass es ausreichend moderne Medizin gibt, um sowohl die Ängste, als auch ev. belastende Symptome, erfolgreich zu bekämpfen. Die reine Sedierung, ist sicher eine der letzten Optionen. Das wäre eine Situation in der das Gespräch mit den Ärzten enorm wichtig ist. Auch eine Patientenverfügung macht da sehr viel Sinn (ich bin grad dabei meine neu zu schreiben)
      Bei Corona scheint die Hauptsympotmatik aus trockenem Hustenreiz zu bestehen. Da gibt es (gerade in einem Zustand wie bei uns) eher Luft- bzw. Sauerstoffmangel und nicht das Gefühl zu ertrinken. Es gibt ja keinen oder nur sehr wenig Sekret.
      Gegen den Sauerstoffmangel gibt es von der Sauerstoffbrille, über die Maske, bis hin zur Beatmung, viele Optionen. Es gibt auch gute Atemunterstützung, ohne gleich einen Luftröhrenschnitt machen zu müssen. Bis dahin gibt es einige weniger dramatische Zwischenschritte.

      Wo ich in Urlaub war, möchte ich aus verschiedenen Gründen nicht öffentlich machen.

      Pass gut auf Dich auf

      Lieben Gruß
      Sue

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  2. Hallo Sue,
    sehr blöd, dass die Chemotherapie mit Capecitabin nicht mehr greift. Es macht mich traurig und ich hoffe , dass du eventuell Hormone dagegen einsetzen kannst. Das Coronavirus beeinträchtigt Andreas und mich schon ziemlich. Haben sämtliche Termine bei den Ärzten abgesagt, auch die Staging Termine. Ich denke aber auch, dass dieses Thema uns alle mindestens bis Ende des Jahres noch beschäftigen wird. Andreas nimmt weiter sein Capecitabin und hofft weiterhin auf Stabilität. Bevor nicht eine Impfung zur Verfügung steht, werden wir jedenfalls keine Praxis mehr betreten. Wir drücken dir ganz fest die Daumen, dass du deinen Urlaub im Herbst antreten kannst. Andreas hatte übrigens im November noch eine Nieren OP wegen eines niedriggradigen Nierenzellkarzinoms. Diesen Tumor hat er mindestens schon ein Jahr, hat aber keiner der Radiologen erkannt, naja, was soll man dazu noch sagen, mir fällt nichts mehr dazu ein. Die OP war die Therapie und Andreas wurde übrigens nur operiert, weil sein Onkologe das befürwortet hat. Alles, alles erdenklich Gute für dich!
    Liebe Grüße Sibylle

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    • Hallo Sibylle,
      bei Euch ist ja auch immer irgendetwas. Erinnert mich an meinen Nierenstein mit der anschliessenden Harnleiterproblematik ….. zum Glück inzwischen Vergangenheit.
      Ich wünsche Euch weiter alles Gute
      Lieben Gruß
      Sue

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      • Vielen lieben Dank für deine Grüße Sue! Ich denke, wenn der Körper durch eine Erkrankung schon angeschlagen ist, hat jeder zusätzliche Klimbim leichtes Spiel. Aber wem sag ich das…..

        Liebe Grüße Sibylle

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