Unselbstständig und schmerzgeplagt ins neue Jahr

Nach den wunderbaren Tagen an der Nordsee in Holland haben sich meine Probleme an der Wirbelsäule derart verschlechtert, dass ich Anfang Oktober in die Notaufnahme des hiesigen Krankenhauses musste. Außer massiver Schmerzen am Rücken, hatte ich in beiden Armen und Händen Kraftverlust, Taubheitsgefühle und Mißempfindungen. Alles Anzeichen für eine Nervenschädigung an der unteren Hals- und oberen Brustwirbelsäule.

Ich wurde sofort stationär aufgenommen, CT, MRT folgten.

Ich erspare mir hier jetzt ganz viele Einzelheiten aus allen Etappen dieser Zeit. Ich bin noch traumatisiert von Vorgängen und Erlebnissen in den dann am Ende neun Wochen dauernden Krankenhausaufenthalt.

Ich bin mehrfach von den Schmerzen ohnmächtig geworden. Zuerst hieß es das es nichts zu operieren gäbe und man mich lediglich bestrahlen möchte. Dann gab es einen Krankenhauswechsel und doch eine Operation. Man hatte mehre pathologische Frakturen an den Wirbeln in Hals- und Brustwirbelsäule entdeckt und das konnte man nur operativ stabilisieren. Mein Kopf sitzt nun sozusagen auf Stangen und Schrauben.

Nachdem die Operationswunde so weit verheilt war und die Klammern entfernt werden konnten, folgte noch eine Strahlentherapie. Dann war klar, entweder ich komme jetzt alleine Zuhause wieder auf die Beine oder die nächste Station ist ein Pflegeheim oder ein Hospiz. Eine Reha wurde noch vor meiner Entlassung beantragt und ist inzwischen auch genehmigt. In ein paar Wochen geht es los.

Ich hoffe sehr, dass man mir dort helfen kann. Meine Hals- und Schultermuskulatur hat noch nicht begriffen wie der Kopf jetzt zu tragen ist. Es fühlt sich an als wäre mein Kopf um viele Kilos schwerer und säße an einer völlig anderen Stelle als früher. Ich kann einigermaßen Sitzen und platt auf dem Rücken liegen. Ich kann zwar ein paar Meter gehen, aber das strengt Hals und Schultern extrem an und macht Schmerzen.

So ziemlich das Erste was der Mensch nach seiner Geburt lernt, ist seinen Kopf zu halten. Danach macht man sich nie mehr Gedanken dazu. Ich fange jetzt neu damit an und mein Körper muss sich dann auch gleich noch an das ganze eingebaute Metall gewöhnen. Stangen und Schrauben sind aus Titan, damit kann ich weiterhin zum MRT und am Flughafen sollte es keinen Alarm geben . . . . (falls ich je nochmal an einen Flughafen komme) Mein Ziel und Ziel der Reha wird es sein, meine Autonomie wieder zu bekommen. Meine Kondition ist natürlich völlig weg. Mein Gewicht ist inzwischen an der Grenze zum Untergewicht. Der Kraftverlust in beiden Armen und Händen, schränkt mich bei vielen alltäglichen Dingen, zusätzlich ein.

Nur durch die Hilfe und Unterstützung von Freunden ist das Zuhause leben aktuell überhaupt möglich. Für einen Pflegedienst gibt es ja nichts zu tun. Man muss nichts verbinden und ich benötige keine Infusionen oder Spritzen. Da ist man ohne gute Freunde echt aufgeschmissen. Es geht zwar langsam voran bei mir, aber eben wirklich nur ganz langsam. Aufgeben ist keine Option, aber ob sich das alles am Ende gelohnt hat, steht in den Sternen. Ich bin ja, selbst wenn das alles wieder einigermassen in Ordnung kommt, danach nicht gesund und hinter der nächsten Kurve wartet sicher der nächste Knüller auf mich. Am Ende bleibt mir jetzt gar nichts anderes übrig, als zu versuchen wieder auf die Beine zu kommen.

5 Gedanken zu “Unselbstständig und schmerzgeplagt ins neue Jahr

  1. „Am Ende bleibt mir jetzt gar nichts anderes übrig, als zu versuchen wieder auf die Beine zu kommen“ wofür ich Dir, das weißt Du, alles drücke, was sich drücken lässt und auch Reinhard drückt mit und meine Schwester ebenso!! Wir denken ständig an Dich!!

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    • Liebe Sue,
      wir wünschen dir alles erdenklich Liebe und Gute und hoffen mit dir, dass du wieder zu Kräften kommst. Ich bin echt geschockt, wie sehr es dich gebeutelt hat. Zum Glück hast du liebe Menschen an deiner Seite, die dich unterstützen. Liebe Grüße Sibylle und Andreas

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  2. Tief betroffen habe ich Ihren Bericht gelesen.

    Sie haben furchtbar viel erTRAGEN müssen.
    Nun lernt Ihre Hals- und Schultermuskulatur Ihr Haupt zu TRAGEN.
    Gute Freunde sind es, die Ihr Schicksal mitTRAGEN.

    Sie schreiben: „Aufgeben ist keine Option, aber ob sich das alles am Ende gelohnt hat, steht in den Sternen.“
    Da kommt mir die Frage in den Sinn: Wann wird es sein, dass Sie werden sagen können, dass „das alles“ sich „gelohnt hat“?
    Gibt Wolfram vielleicht eine Antwort?

    „Heilung bedeutet, daß der Mensch erfährt, was ihn trägt, wenn alles andere aufhört, ihn zu tragen.“
    Wolfram von Eschenbach

    Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass „sich das alles am Ende gelohnt hat“.

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