Nachtrag / Bandscheibenvorfall

Heute habe ich den Entlassungsbericht der Klinik erhalten. Ich hatte nicht nur diese blöde Zyste, sondern auch einen Bandscheibenvorfall. Einen schlimmen Bandscheibenvorfall, denn es steckten schon Stückchen der Bandscheibe im Spinalkanal. Es ist sehr erstaunlich, dass ich bei dem massiven Befund nicht noch mehr Beschwerden hatte oder gar schon im Rollstuhl saß.

Es gibt beim Bandscheibenvorfall Unterschiede. Es gibt die sogenannte Bandscheiben-Protrusion, den perforierten Bandscheibenvorfall und den perforierten und sequestrierten Bandscheibenvorfall.

Bei der Protrusion wölbt sich die Bandscheibe in den Spinalkanal und drückt auf die dort laufenden Nerven. Die Bandscheibe an sich, ist aber ganz. Eine Protrusion wird üblicherweise nicht operiert. Es sei denn, es gibt richtig schlimme Nervenausfälle, Lähmungen etc. Eine Protrusion kann zurückgehen. Physiotherapie und bestimmte Lagerungen sind meist die beste Option. Und viel Geduld und Konsequenz.

Beim perforierten Bandscheibenvorfall hat sich die Bandscheibe zerlegt und mehr (perforierter und sequestrierter Bandscheibenvorfall) oder weniger (nur perforierter Bandscheibenvorfall) Stücke (Sequester) davon rutschen in den Spinalkanal und verdrängen die Nerven. Diese Stücke können sogar im Spinalkanal wandern und an ganz anderen Stellen als die der ursprünglich Bandscheibe, Beschwerden machen. Auch hier wird eigentlich nur operiert, wenn Nervenschäden drohen. Das Problem bei der Operation des perforierten und sequestrierten Bandscheibenvorfall ist das Auffinden und Entfernen wirklich aller Bandscheibenstücke. Wichtig ist auch, dass mikrochirurgisch operiert wird. Es gibt leider immer noch Ärzte/Chirurgen/Orthopäden etc. die das für nicht notwendig erachten. Hat man ein einziges Mal die ganzen dort vorhandenen Strukturen im Mikroskop gesehen, ist klar, dass man da nur jemand mit einem Mikroskop dran rumschnibbeln lassen sollte. Wenn z. B. die Haut welche die Nerven umgibt, beschädigt wird, was durchaus passieren kann, muss das richtig gut und absolut dicht genäht werden. Das kann nur jemand der Routine damit hat, mit einem Mikroskop zu arbeiten. Auch das Auffinden der Bandscheibenstücke, ist mit einem Mikroskop deutlich sicherer. Werden Stücke (Sequester) vergessen, kommen vermutlich bald wieder exakt die gleichen Beschwerden.

Es ist wichtig zu wissen, dass die Nerven die innerhalb des Spinalkanals verlaufen, zu den zentralen Nerven gehören. Die Nervenzellen in Gehirn und Spinalkanal sind zentrale Nerven. Den Rest der Nerven im Körper nennt man periphere Nerven. Zentrale Nervenzellen können sich so gut wie überhaupt nicht regenerieren. Das bedeutet, wenn ein bestimmter Schaden entstanden ist, ist der nicht mehr zu beheben. Daher hat man bei bestimmten Symptomen nur wenig Zeit zu reagieren. Hat der Schaden eine gewissen Zeit überschritten, werden die Symptome nicht mehr weg gehen. Es ist also sinnvoll, bei bestimmten Symptomen direkt zu den entsprechenden Fachärzten zu gehen und schnell zu reagieren. Wochenlanges behandeln wegen „Ischias“, von irgendwelchen ahnungslosen Hausärzten, kann üble Konsequenzen haben. Ein MRT ist die einzige Möglichkeit einen Bandscheibenvorfall zu diagnostizieren. Alles andere ist Humbug. Wenn kein Bandscheibenvorfall da ist, kann man die „Ischias“ Behandlung immer noch machen.

Ich hatte eine große und weiter wachsende Synovialzyste, zusätzlich zu einem perforierten und sequestrierten Bandscheibenvorfall. Aber wie auch immer, alle schlimmen Schmerzen und Symptome sind seit der Op weg. Die ganze Angelegenheit hatte mit meiner Krebserkrankung absolut nichts zu tun. Ich hatte auch großes Glück, dass die nächsten Knochenmetastasen vom betroffenen Gebiet weit genug weg waren.

Fast alle (immer mehr) Menschen haben Bandscheiben-Protrusionen. Sehr viele auch perforierte und sequestrierte Vorfälle. Aber nicht immer macht das Beschwerden. Es gibt unendlich viele Menschen mit klaren Befunden, ohne irgendwelche Beschwerden. Es kommt immer darauf an, an welcher Stelle, wieviel Druck, auf welche Nerven entsteht. Würde man alle Menschen dahingehend untersuchen, wäre man erstaunt, wieviele Menschen einen deutlichen Befund, aber absolut keine Symptome haben.

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